(Songwriter/Pop/Folk Rock) 2013 Ragazza - gleich mit den ersten Akkorden des Openers 'Au Revoir, My Darling' ist mal wieder klar: Singer/Songwriter aus Kalifornien unterscheiden sich enorm vom Rest des Americana-Geschehens, besonders im Vergleich zu all den vielen Künstlern aus Austin und Nashville, die zumindest quantitativ die Szene zu dominieren scheinen. Anny Celsi aus Los Angeles ist seit vielen Jahren ein gutes Beispiel für eine erstklassig handgemachte Musik, bei der die Songs genügend Tiefgang besitzen, um von der kritischen Folk/Roots-Gemeinde ernst genommen zu werden, die Arrangements aber gar nicht in verbissen-traditioneller Wurzelnähe verharren, sondern die gewisse Leichtigkeit von Westcoast Pop ausstrahlen, in ihrem Abwechslungsreichtum dazu auch etwas Motown Soul, Folk Noir, Country Rock, Paisley Psych, Jangle Pop und die große, zeitlose Melodie à la Bacharach/David und Goffin/King sowieso streifen. Ja, da werden selige Erinnerungen an die Mamas & Papas, Jackie DeShannon, Linda Ronstadt & The Stone Poneys, an die Beach Boys und Dusty Springfield geweckt, andererseits steckt Celsi natürlich mitten im aktuellen Zeitgeist - Kolleginnen wie Neko Case, Aimee Mann, Zoe Muth, Nikki Bluhm oder Eleni Mandell fallen mir dazu ein, auch Grey DeLisle, die bereits ganz früh in 2002 ihren wahrscheinlich bekanntesten Song 'Twas Her Hunger Brought Me Down' coverte. Aber all diese Vergleiche dienen nur der ungefähren Beschreibung. Mit ihrer geschmeidigen, wohl temperierten Stimme und einem zwar nie dominanten, aber unterschwellig mitschwingenden Melancholiefaktor vermittelt Celsi auf Anhieb hohe Sympathiewerte, ihre in poetischen Lyrics verpackten Themen handeln von Erlebnissen vieler Reisen, Begegnungen mit interessanten Leuten, persönlich-privaten Befindlichkeiten (die einzige Fremdkomposition, Steve Forbert's 'Wait', fügt sich da übrigens sehr gut ein). Ich will damit sagen: Anny Celsi ist eine spannende, charaktervolle Type mit ganz eigener Note! Die sich stets viel Zeit lässt für etwas Neues. So ist 'January' erst ihr drittes Album nach 'Little Black Dress & Other Stories' (2003) und 'Tangle-Free World' (2009), das - wie das Debüt - wieder in enger Zusammenarbeit mit Kevin Jarvis (Sessions für Steve Wynn, Lucinda Williams, Ramsay Midwood, Grant-Lee Phillips, Mark Olson und seinen 2009 verstorbenen Bruder Duane) als Produzent, Recording Engineer und Drummer entstanden ist. Darüberhinaus belegt die beeindruckende Liste der Studiomusiker ein weiteres Mal, wie exzellent vernetzt Anny Celsi innerhalb des kulturellen Schmelztiegels von L.A. ist: So hören wir Doug Freeman (Doozy), Singer/Songwriter-Gefährte Rich McCulley und Kirk Swan (Ex-Dumptruck, Steve Wynn) an den akustischen und elektrischen Gitarren, Paul Lacques (I See Hawks In L.A.) an der Pedal Steel, Carl Byron (Anne McCue, Marvin Etzioni, Snakehandlers) mit Keyboards, Vibes und Akkordion, die Bassisten Jason Chesney (Old Californio, Dave Gleason) und Bobby McDonald (Carla Olson, Duane Jarvis) sowie in Nebenrollen Nelson Bragg (Brian Wilson Band, Negro Problem, Produzent von 'Tangle-Free World' und häufiger Tourbegleiter von Celsi) und den Team-Backing-Chor von Adam Marsland's Chaos Band (Marsland, Teresa Cowles und die oberkultige Evie Sands!). Celsi's Sohn Ivan Pyzow übernimmt erstmalig die Funktion als Arrangeur für gezielte Streicher-, Bläser- und Choreinsätze, verleiht zudem einigen Tracks das gewisse Etwas mit Klavier, Trompete, Glockenspiel oder Autoharp.