Kasey Anderson - Nowhere Nights PDF Drucken E-Mail
Freitag, 05. Februar 2010

Blue Rose

Der so genannte Grassroots-Effekt - langsam aber sicher seine Fangemeinde vergrößern mit jeder neuen Veröffentlichung, auf unbedingte Qualität und Nachhaltigkeit achten, daran glauben, dass man sich letztlich durchsetzt bei all den potenziellen Konsumenten des großen Singer/Songwriter-Marktes, den ungebrochen zahlreichen Americana-Anhängern, den Freunden handgemachten Gitarrenrocks und einer analogen Klangwelt. All diese Werte bedient Kasey Anderson aus dem amerikanischen Nordwesten natürlich auch mit seiner neuen Scheibe aufs Trefflichste und eigentlich muss er jetzt nur noch einen Wunsch erfüllen: schnellstens rüberkommen und seine grundgute Musik hier live in den Clubs präsentieren! 'Nowhere Nights' ist bereits das vierte Werk des sympathischen Rockers mit der attraktiven Schmirgelstimme und ein feiner Nachfolger zum Blue Rose-Debüt 'The Reckoning' von 2007.

Und 'Nowhere Nights' ist anders. Nicht unbedingt in seiner Grundhaltung oder gar im Sound, nein, anders in der Stimmung, in den Songs, in den Texten. Kasey Anderson hat seinen Lebenslauf einer intensiven Bestandsaufnahme unterworfen und die ein oder andere Sache nachhaltig hinterfragt, sozusagen seine ganz private Inventur vorgenommen. Das Ergebnis sind persönliche, introvertierte Songs, die deutliche Einblicke in sein Seelenleben bieten. Das im Einklang mit einem Umzug von Bellingham, Washington nach Portland, Oregon, rein meilenmäßig keine große Sache, für Andersons Leben eine entscheidende Wende: weg vom standardisierten Alltagstrott in der Provinz, hin zu mehr Szene, Nachbarschaft und Geselligkeit. Genau im Umkehrschluss dazu handeln seine Lieder nun nicht mehr so sehr vom kritischen Blick in die Welt, insbesondere von der Schieflage der Nation unter der Bush-Ära, sondern vorzugsweise von eigenen Belangen, Beziehungen und Bedürfnissen.

Gut, dass er bei solch einer Gefühlslage einen Mann an seiner Seite hat, der für Konstanz, Bodenhaftung, absolute Americana-Kompetenz und puren Rock'n Roll steht - Eric "Roscoe" Ambel! Der bekannte Spitzenproduzent des Genres, Sessionmann extraordinaire und Gitarrist mit dem besonderen Etwas begleitet Andersons Karriere nun schon seit vielen Jahren, garantiert seit dem zweiten Album 'Dead Roses' von 2004 jene satten, griffig-riffigen Electric Guitars, die man so sehr schätzt an Platten der Bottle Rockets, Go To Blazes, Blue Mountain, Blood Oranges oder Backsliders. Der langjährige Steve Earle-Sidekick, Del Lords- & Yayhoos-Gitarrist ist für die jüngsten Kasey Anderson-Sessions sogar von seiner Heimat New York quer durch die Staaten geflogen, um im berühmten Jackpot Studio in Portland 10 der 11 neuen Tracks aufzunehmen. Der Opener, mit 'Bellingham Blues' vielsagend betitelt, stammt noch von den Brooklyn Recordings. Darin beklagt Anderson im Nachhinein sein allzu langes Verweilen in einer Stadt, in der er eigentlich gar nichts verloren hatte - "this ain't never been my town", eine späte Abrechnung, die ihm in perfekter Steve Earle-Art gelingt und vom Start an den Tenor von 'Nowhere Nights' bestimmt.

'All Lit Up' und 'Sooner/Later' folgen dann in geradezu klassischer Anderson/Ambel-Manier: kraftvoll zupackend, mit einem kernigen Riff gesegnet, engagiert gesungen, auf den Punkt gerockt! 'Home' ist ein 6-minütiges Breitwandepos, ausgelebte Troubadour-Kultur, Storyteller-Klasse mit Sehnsuchtsatmosphäre. Und so geht es im Wechsel weiter: Kompakte Rocker einerseits und - diesmal in der Überzahl - sämige, von Folk und Country durchzogene Rock-Balladen zwischen Heartland, Texas, East Nashville, 'Nebraska' Badlands und North Carolina zum anderen addieren sich zum großen Ganzen, kapitale Stücke wie 'Torn Apart', 'Leaving Kind', der Titelsong, 'From Now On' oder das abschließende 'Real Gone', ein 7 Minuten/Triple Electric Guitar Slow Rocker mit urgewaltigem Finish, lassen 'Nowhere Nights' schon frühzeitig im Jahr zu einem Genre-Highlight für 2010 werden.

Kasey Anderson spielt selber akustische und elektrische Gitarren, bläst die "Campfire"-Harp, drückt jedem einzelnen Stück seinen besonderen gesanglichen/stimmlichen Stempel auf. Er wird von seiner aktuellen Touring Band kompetent begleitet: Dan Lowinger (Electric Guitar), Bo Stewart (Bass), Julian MacDonough (Drums). Der im lokalen Pacific Northwest-Raum bekannte Keyboarder Lewi Longmire (Paul Benoit, Caleb Klauder, James Low, Bingo, Moonshine Hangover) fügt mit seinem komplexen Klavier- und Orgelspiel zusätzliche Farbe hinzu, aber nicht zuletzt wegen des auch als Musiker äußerst aktiv mitwirkenden Produzenten Eric Ambel bleibt 'Nowhere Nights' eine klare Gitarrenrock-Platte!

 

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