|
Blue Rose Zu einer ganz frühen, medienübergreifenden Erfolgsstory im Jahr 2010 reift derzeit der Film 'Crazy Heart' heran. Soeben wurde das Regiedebüt von Drehbuchautor Scott Cooper mit zwei Golden Globes ausgezeichnet, was ihn erfahrungsgemäß automatisch auch zu einem Anwärter für den ein oder anderen Oscar machen dürfte! Der berühmte Jeff Bridges ('The Big Lebowski', 'The Fabulous Baker Boys', 'The Contender', 'Fearless') hat den einen für seine Leistung als "Bester Schauspieler" erhalten, der andere ging in der Kategorie "Bester Originalsong" an den von Ryan Bingham und T-Bone Burnett geschriebenen, von Bingham gesungenen Theme Song 'The Weary Kind'.
Die Story im Schnelldurchlauf: Bad Blake, heruntergekommener, von Whiskey und Zigaretten gezeichneter Ex-Country Star führt nur noch ein bescheidenes Dasein abseits der Glimmerwelt. Er tingelt durch miese Clubs, tritt in Bowling Centern auf und hat schon mehrere Ehen hinter sich, aber schon seit Jahren keinen neuen Song mehr zustande gebracht. Diese von Jeff Bridges eindrucksvoll gespielte Figur trifft auf eine junge Journalistin (Maggie Gyllenhaal), die mit ihrem kleinen Sohn durch die Staaten zieht und sich anschickt, hinter Blakes Fassade zu blicken. Keine Frage: Die von Beginn an spürbaren Vibes zwischen den beiden entwickeln sich zu einer handfesten Liebesgeschichte mit allen Widrigkeiten und Leidenschaften, die ein gutes Drehbuch parat haben muss. Eine Story, natürlich eine typisch amerikanische Story, die geradezu dafür prädestiniert ist, klasse Musik darin einzuarbeiten - Musik, die wie gemalt ist für einen tollen Soundtrack!
Allein der Name T-Bone Burnett bürgt dafür, dass das Album 'Crazy Heart' keine beliebige Ansammlung von Genretracks verkauft, sondern sinnvoll, kenntnisreich und mit Liebe für Details kompiliert wurde, letztlich auch ohne den Streifen gesehen zu haben, ganz autark für sich funktioniert. T-Bone Burnett kann sowas! Schließlich ist 'Crazy Heart' nicht seine erste audiocineastische Aufgabe: 'O Brother, Where Art Thou?', 'Cold Mountain', 'Walk The Line', 'The Big Lebowski', 'Don't Come Knocking', 'All The King's Men', um nur die bekanntesten Projekte zu nennen... Überall hatte Burnett hier mehr als seine Finger drin - als Produzent, Songwriter, Texter, Arrangeur, Musical Director, Supervisor, Archivar, Gesangstrainer, Nebendarsteller oder schlicht als Musiker. Parallel zu diesen Aktivitäten verfolgt Burnett seine eigene musikalische Karriere und hat sich in zahlreichen Veröffentlichungen seit Anfang der 70er einen kultigen Namen als einer der innovativsten, unangepasstesten Singer/Songwriter der Staaten erworben. Ein weiteres Standbein ist seine überaus erfolgreiche Tätigkeit als Produzent. So arbeitete er u.a. für Los Lobos, Counting Crows, Wallflowers, Elvis Costello, Gillian Welch, BoDeans, Joe Henry, Bruce Cockburn, Leo Kottke, John Mellencamp und heimste vor zwei Jahren mit Robert Plant & Alison Krauss' 'Raising Sand' gleich mehrere Grammys ein.
Dieser Musikvisionär, dieser "true American Star" hat also die Filmmusik für 'Crazy Heart' zusammengestellt, produziert und die Originalsongs in großen Teilen komponiert - und das alles im Team mit dem ebenfalls sehr bekannten Gitarristen Stephen Bruton, für den dieser Job leider der letzte war. Er verstarb im Mai 2009 nur 60-jährig an einem Krebsleiden. Den Blue Rose-Freunden braucht man den Namen Stephen Bruton natürlich nicht mehr vorzustellen. All die famosen Soloalben, sein gewichtiges Mitwirken bei den Resentments und seine jahrzehntelange Treue als Sidekick für Kris Kristofferson haben ihm internationales Renommee eingebracht. Bruton und Burnett, beide waschechte Texaner, waren seit mehreren Dekaden miteinander befreundet und unterstützten sich gegenseitig bei vielen Gelegenheiten.
'Crazy Heart' besteht aus einer gut hörbaren, flüssig gekoppelten Kombination aus 6 historischen Titeln sowie 10 brandneu und exklusiv für dieses Projekt eingespielten Nummern. Zur ersten Kategorie zählen die Klassiker 'Hello Trouble' von Buck Owens, 'My Baby's Gone' von den Louvin Brothers, Lightnin' Hopkins' 'Once A Gambler', Waylon Jennings' 'Are You Sure Hank Done It This Way', ferner der große Townes Van Zandt mit 'If I Needed You' und Burnetts langjährige Ehefrau, die bekannte Singer/Songwriterin Sam Phillips mit 'Reflecting Light'. Hausaufgaben erledigt!
Die zweite Abteilung aber hat's so richtig in sich! Hauptdarsteller Jeff Bridges singt gleich 5 Songs - in altersweiser Manier und mit raspeliger Stimme frei nach Kris Kristofferson, Guy Clark oder John Prine - und teilt sich einen weiteren mit dem irischen Schauspielerstar Colin Farrell ('Ordinary Decent Criminal', 'War Zone', 'Minority Report', 'Alexander'). Farrell mimt in 'Crazy Heart' den Vertreter der jüngeren Americana-Generation, die es den ausgebrannten "alten Säcken" wie Bad Blake zeigen wollen. Er bekommt mit dem von Ryan Bingham & T-Bone Burnett geschriebenen 'Gone, Gone, Gone' auch noch eine zweite Chance, sein Sangestalent unter Beweis zu stellen! Apropos Ryan Bingham... Der texanische Singer/Songwriter/Gitarrist hat zuletzt mit seinen starken Alben für Lost Highway Aufsehen erregt und brilliert hier mit zwei Beiträgen: 'I Don't Know' und das anfangs erwähnte, Golden Globe-prämierte 'The Weary Kind'. Altstar Robert Duvall ('The Godfather', 'Apocalypse Now', 'Colors', 'The Apostle'), mittlerweile 79, singt in 51 Sekunden acapella eine bizarr-schöne Version von Billy Joe Shaver's 'Live Forever'.
Der größte Teil jener 10 Originaltracks wurden von Burnett & Bruton bzw. Burnett & Bingham geschrieben, das von Jeff Bridges gesungene 'Brand New Angel' stammt aus der Feder von Iowa-Songwriter Greg Brown. Stilistisch wird ein breiter, durchaus moderner Americana-Rahmen abgedeckt, ein wohl geratener Mix aus Country, Folk, Roots'n Roll, Cajun und Alt.Country Rock. Die Aufnahmesessions fanden in Los Angeles statt, unter Beteiligung der üblich verdächtigen Burnett-Clique. So erleben wir neben T-Bone Burnett (Acoustic Guitar) und - leider nur noch marginal - Stephen Bruton (Electric Guitar, Mandotar) solch illustre Studiocracks wie Greg Leisz (Pedal Steel), Buddy Miller (Electric Guitar), Patrick Warren (Orgel), Thomas Canning (Piano), Dennis Crouch (Bass), Jay Bellerose (Drums) und Joel Guzman (Akkordion). Und alle erwähnten Namen sind Garanten dafür, dass Country nicht zwingen so klingen muss, wie man Country gemeinhin erwartet!!

|