Sons Of Bill - One Town Away PDF Drucken E-Mail
Freitag, 05. Februar 2010

Blue Rose

Die Sons Of Bill aus Charlottesville, Virginia fegen seit einigen Jahren wie ein wahr gewordener Traum durch die Stereoanlagen aller Country Rock-Fans weltweit. Also, zumindest sollte das so sein, aber noch sind sie eher ein lokales Ereignis, eines für die stets gut informierte Mailorder-Gemeinschaft und natürlich eines für befreundete Musiker und Bands, die in ihren Lobpreisungen für die Kollegen nicht müde werden. Zum Beispiel die Wrinkle Neck Mules aus der Nachbarszene von Richmond. Sie sind bereits etwas länger dabei und haben den Sons Of Bill genau eine Sache voraus, nämlich schon die zweite Veröffentlichung auf Blue Rose Records! Doch jetzt wird nachgelegt, 'One Town Away' erscheint mit etwas zeitlicher Verzögerung nun auch in unseren Breiten. Diese Band, diese Musik, dieses Album gehören einfach in den Stall von Blue Rose, gar keine Frage!!

Nein, der Bandname ist nicht gelogen! In der Tat handelt es sich bei der Kreativabteilung der Sons Of Bill um... die drei Söhne von Bill: Bill Wilson, selbst ein lokal anerkannter Musiker in Virginia. Es ist gut drei Jahre her, als James, Sam und Abe Wilson zusammen mit Seth Green am Bass und Todd Wellons an den Trommeln ihr erstaunliches Debütalbum 'A Far Cry From Freedom' auf privater Ebene veröffentlichten. Man mochte kaum glauben, was da unter dem arg selbstgestrickten Booklet an reifer Musik zum Vorschein kam: nichts weniger als die perfekte Synthese von 70er Jahre Country Rock, 90er Gitarrenrock und Alt.Country der No Depression-Generation. In den Texten wurde alten Heroen wie der Nitty Gritty Dirt Band gehuldigt, die zumindest der erst 22-jährige Bandleader James Wilson zu ihrer Blütezeit gar nicht gekannt haben kann, da wurde das ländliche Small Town-Ambiente hofiert und über Menschen gesungen, die die Grenzen ihres Countys noch nie in ihrem Leben passiert hatten. Als Teenager hatte Wilson zuvor seine Metal-Zeit durchlebt, um in 2005 endgültig der Musik von Gram, Townes, Hank, Neil, Dwight & Co. zu erliegen. Schnell waren seine beiden Brüder motiviert, die Rhythm Section dazu gecastet, erste Songs geschrieben, zusätzliche Coverversionen von Steve Earle bis Drive-By Truckers für die Live Gigs einstudiert. Auf ihrer Platte betonten sie klar das "Rock" in Country Rock und stiegen damit direkt in die höchste Liga zu Poco bis Reckless Kelly, der Dirt Band und Whiskeytown, den Long Ryders bis Son Volt ein. Qualität, Feeling - Killeralbum! Aber dann? Wie sollte das weitergehen?

Ganz simpel - mit einem Zweitwerk, das noch richtig einen draufsetzt!! Eine lange Zeit haben sie gebraucht und manch andere Band hätte man inzwischen wahrscheinlich vergessen und vielleicht nie vermisst in dieser schnelllebigen Ära, wo nur noch das neueste Produkt zählt. Doch nun sind die Sons Of Bill wieder da, nur leicht - und nicht entscheidend - umbesetzt, als Drummer fungiert jetzt Brian Caputo, sind wieder da mit 'One Town Away', dem endgültigen Beweis, dass 'A Far Cry From Freedom' keine Eintagsfliege war, sondern dass wir es hier mit Typen zu tun haben, die ihren Weg machen, die ihr Ding durchziehen werden - das ist kein Diskussionsthema! 8 Songs von insgesamt 12 stammen von Bandchef, Leadsänger, Gitarrist James Wilson, zwei von Sam Wilson (Gitarren, Lead Vocals, Harmonica, Lap Steel), je einer von Keyboarder (und ebenfalls Sänger) Abe Wilson sowie vom Team James Wilson/Bassist Seth Green. Einen Favoriten vermag man nicht auszumachen, alle glänzen mit einem für ihr junges Alter erstaunlich ausgereiften Talent, Dinge des täglichen Lebens textlich interessant aufzubereiten und in eingängige dabei anspruchsvolle Melodien zu verpacken, die klar über dem Durchschnitt liegen, was das oft so unübersichtlich und ausufernd gewordene Genre zu bieten hat!

Für dieses Album haben sich die Sons Of Bill nach Kalifornien unter die Fittiche von Luxusproduzent Jim Scott (Whiskeytown, Wilco, Tom Petty, Neal Casal, BoDeans) begeben, der ihnen seinen bewährten Analog-Gitarrensound verschrieben und die tollen Lead & Harmony Vocals der Wilsons extra herausgeputzt hat. Zusätzlich zum ohnehin schon göttlichen Saiten-Dreiklang hören wir auf 4 Nummern sogar noch die Pedal bzw. Lap Steel des gesuchten Studiocracks Greg Leisz! Das ergibt unterm Strich einen wahrhaft kosmischen Sound, bei dem - wie eingangs gesagt - allen Freunden dieser zeitlosen Musik das Herz aufgehen müsste. Country Rock-Fans dieser Welt, vereinigt euch und liebt diese Band. Sie hat's wirklich verdient!!

 

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