Jason & The Scorchers - Halcyon Times PDF Drucken E-Mail
Freitag, 05. Februar 2010

Blue Rose

Cowpunk ist das Stichwort! Jason & The Scorchers stehen in allen sachkundigen Rocklexika als vorderste Mitbegründer des Country Punk-Movements, einer Stilrichtung aus den 80er Jahren, die diese auf den ersten Blick eigentlich krassen Gegensätze miteinander verband und für mächtig Schwung in beiden Lagern sorgte. Heute würde man dieses "Cash-meets-Clash" mit Alt.Country, Neo Southern Rock, Roots'n Boogie oder schlicht einer weiteren, allerdings radikaleren Version von Americana in Verbindung bringen, aber 1982 nannte man das einfach Cowpunk! Und - um keinen Geringeren als Dan Baird (Georgia Satellites, Yayhoos) aus den Liner Notes zu zitieren - ungefähr "25.000 Bands" stehen bei JATS in der Schuld, verdanken sie ihnen doch die eigene Daseinsberechtigung.

Nach 13 Jahren Studiopause und nur ganz seltenen Live Reunions wird 2010 zum richtigen Comeback-Jahr für Jason & The Scorchers - mit dem kapitalen brandneuen Werk 'Halcyon Times'! Nicht dass sich der charismatische Leadsänger und Powerhouse-Frontmann Jason Ringenberg in der Zwischenzeit zur Ruhe begeben hätte, im Gegenteil: 6 Soloalben, davon allein 5 nach Auflösung der Scorchers in 1997 (darunter zwei Platten unter dem Pseudonym Farmer John für den Children's Music-Markt) sprechen eine deutliche Sprache in Sachen ungebremster Aktivitäten. Das gilt ebenso für seinen wichtigsten musikalischen Partner an der (vornehmlich) elektrischen Leadgitarre, Warner E.Hodges. Der hat neben etlichen Recording Jobs (Susan Marshall, Tonio K., Eric Ambel) mit 'Centerline' in 2008 sogar sein Debüt unter eigenem Namen gegeben.

Die Zeit musste einfach reifen für eine echte, nicht fremdbestimmte Wiedervereinigung mit Zukunftspotenzial. Ringenberg und Hodges sind zwei Vollblutmusiker, die sich auf der Bühne und im Studio blind verstehen, dabei gegenseitig respektieren. Es war dann nicht schwierig, eine kompetente neue Rhythm Section, die mit ihnen durch dick und dünn gehen würde, zu finden, nachdem die alte (Perry Baggs & Jeff Johnson) nicht mehr zur Verfügung stand. Al Collins, Mann von Country Rock-Performerin Stacie Collins und musikalischer Leiter ihrer Band, spielt also nun den Bass und Pontus Snibb, ein Schwede mit eigentlich ganz anderen musikalischen Wurzeln, wurde anlässlich eines Gigs in Nordeuropa kurzerhand von Jason an die Trommeln und Felle beordert. Das Ergebnis konnte sich so gut hören lassen, dass er aus dem Stand zum vollwertigen JATS-Mitglied aufstieg!

In dieser Quartettformation enterten sie im Frühjahr 2009 das bekannte Oceanway Studio in Nashville und... gewannen erstmal einen Pokal - als "loudest band ever", die je in diesem Studio gerockt hat! Mit solch einer Anfangseuphorie konnte dann auch nichts mehr schief gehen; und mit all den guten Freunden im selben Raum erst recht nicht. Da ist z.B. der "5. Mann", Dan Baird, Ex-Georgia Satellites-Leader und allgegenwärtiges Urgestein in Nashville's Outlaw/Southern/Alt.Boogie-Szene, als Rhythmusgitarrist auf allen Tracks. Oder Ginger (aka David Walls von den Wildhearts) und Tommy Womack (von DADDY), die mit Hodges, Baird, Collins und Ringenberg sämtliche 14 Tracks in verschiedenen Kombinationen komponiert haben. Oder last not least der Engineer/Mixer/Musiker Brad Jones, ein wahrer Analogklangmeister, der schon Acts wie Chuck Prophet, Tommy Womack, Bill Lloyd, Ass Ponys, Tim Easton, Josh Rouse und Marshall Crenshaw seinen ganz persönlichen Soundstempel aufgedrückt hat. Er hat 'Halcyon Times' mit Warner E.Hodges produziert. Für die Basic Tracks brauchte die Truppe lächerliche drei Tage, was den erfrischenden Live-Charakter des Albums dann auch gelungen widerspiegelt.

Die Mehrzahl der 14 Songs sind schnelle Cowpunk-Nummern auf Rockabilly-Basis und ruppige Boogie Rocker mit East Nashville Outlaw-Charme, oft kompromisslos und völlig schnörkellos gespielt um die drei Minuten herum: das grandios eröffnende 'Moonshine Guy'/'Releasing Celtic Prisoners', der griffige "Radiohit" 'Mona Lee', 'Fear Not Gear Rot', 'Gettin' Nowhere Fast', 'Better Than This' (mit Warner E.Hodges als Leadsänger!) und 'We've Got It Goin' On', das sich zum krönenden Abschluss mehr als Kampfansage denn als Zukunftsversprechen einhämmert! Die übrigen Titel bewegen sich im elektrischen bis semi-akustisch/elektrischen Country Rock- bis Southern Rock-Segment inklusive dem ein oder anderen Ausflug zu Neo Honky Tonk, Hard Rock und immerhin ein wenig Alt.Country Rock, auch wenn Jason Ringenberg das nicht mehr hören möchte: "This is definitely NOT an 'alt-country' record, and I let everyone know I wanted no part of that... I wanted to RAWK by God!"

So rawken/rocken 'Beat On The Mountain' und 'Mother Of Greed' mit fetten Saitenteppichen aus akustischen & elektrischen Rhythmusgitarren (Dan Baird) sowie Mandoline & Electric Lead (Warner E.Hodges), steht mit 'Land Of The Free' ein mächtiges, mit "Led Skynyrd"-Zitaten unterwandertes Epos an zentraler Stelle, gerät das mit schmierigen, feisten Rockgitarren gespickte 'Deep Holy Water' auf Drivin' N Cryin'-meet-Georgia Satellites-Gleise. Der 'Twang Town Blues' beginnt als brodelnder, swampy Storyteller Blues, um dann im Refrain in den typischen Jason-Rockabilly-Modus zu verfallen - zusammengehalten von Hodges' dominanter und in der Tat sehr "twangiger" Axework. Brillant! 'When Did It Get So Easy (To Lie To Me)' ist eine Art unplugged Southern Roots-Session, komplett live-im-Studio und mit Dan Baird als Duettsänger aufgenommen.

Obwohl 'Halcyon Times' sich in seiner ganzen Dynamik und urwüchsigen Kraft an der Frühphase von JATS orientiert und vielleicht auch der ein oder andere augenzwinkernde Blick zurück riskiert wird, steht das Album mit dieser musikalischen Vielfalt, der allzeit überzeugenden Qualität und in seiner Gesamtästhetik für Zukunft und Entwicklung. Wie Warner E.Hodges es uns allen "androht" - die nächsten 25 Jahre mögen heranrollen: "Let it rock!". Yeah!!

 

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