Various Artists - The Best Is Yet To Come - The Song Of Cy Coleman PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 05. Januar 2010

Blue Rose

'The Best Is Yet To Come' ist eine ganz besondere Kompilation, die gleich mehrere Themen bedient und vielen Ansprüchen und Zielgruppen gerecht wird: Da ist zunächst als Basis das monumentale Werk des berühmten Broadway Musical-Komponisten Cy Coleman, dann hören wir 12 exquisite Frauenstimmen, die zum allerbesten gehören, was die zeitgenössische populäre Musik in den USA zu bieten hat, und - last not least - hat man es hier mit klassischem Liedgut zu tun, das, auf Jazz, Blues, Roots und Country basierend, einzigartige Melodien und lyrische Liebesliedtexte miteinander verknüpft: zu großartigen, unvergesslichen, zeitlosen Stücken für die Ewigkeit in einer sehr, sehr speziellen Atmosphäre. Der Amerikaner hat dafür natürlich ein eigenes Genre parat und nennt das Torch Songs!

Der Komponist. Der 1929 in New York geborene Cy Coleman (richtiger Name: Seymour Kaufman) war bereits im Alter von 6-9 Jahren ein Kinderstar am Klavier und trat in der Carnegie Hall und Town Hall auf. Später in den 50ern wurde er ein anerkannter Jazzpianist, studierte Komposition, hatte erste Hits als Songschreiber in der Manhattan-Szene für Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, Barbra Streisand, Liza Minelli, Tony Bennett und Peggy Lee, wurde ab den 60ern zu einem der erfolgreichsten Broadway Musical-Autoren überhaupt. Sein erster Volltreffer war in 1961 die Begleitmusik zu 'Wildcat'. Es folgten Scores für 'Little Me' (62), den Film 'Sweet Charity' (66), 'Seesaw' (73), 'I Love My Wife' (77), 'On The Twentieth Century' (78) und die 'Barnum Show' (80), für die er auch als Produzent debütierte. Letzte überragende Erfolge feierte er mit den Musicals 'City Of Angels' (89) und 'The Will Rogers Follies' (91). Im November 2004 starb Cy Coleman an einem Herzinfarkt.

Die Sängerinnen. Wie eingangs versprochen - nur vom Feinsten: Patty Griffin: profunde Nashville Singer/Songwriterin im gehobenen Country/Roots-Format. Jill Sobule: leicht schräges, spleeniges Multitalent aus Nashville, zuletzt von Don Was produziert. Madeleine Peyroux: junge Jazz/Roots Crossover-Sängerin mit rauchig-exotischer Stimme, ihre Vorbilder sind Billie Holiday, Bessie Smith und Patsy Cline. Ambrosia Parsley: Frontfrau/Sängerin von Alternative Rock Act Shivaree. Julianna Raye: Pop bis Jazz-Songstress mit Soloalben und Beiträgen für Ryan Adams, Rufus Wainwright, Van Dyke Parks. Sam Phillips: über 20-jährige Geschichte mit z.T. kultigen Alben, Frau von T-Bone Burnett. Perla Batalla: Musikerin aus L.A. zwischen Pop, Jazz, Latin und Folk; arbeitete mit Leonard Cohen, k.d. Lang, David Batteau und Jennifer Warnes. Sara Watkins: Sängerin/Geigerin vom bekannten Newgrass/New Acoustic Music-Projekt Nickel Creek. Sarabeth Tucek: junge Indie/Alt.Folk-Frau aus NYC im Stil von Nico/Cat Power/Aimee Mann; sang schon mit Smog, Brian Jonestown Massacre und EZT. Nikka Costa: Tocher von Don Costa, langjähriger Orchesterchef/Arrangeur von Frank Sinatra, Weltenbürgerin mit großen Erfolgen in Südamerika, Australien, Europa und letztlich auch USA; Powerstimme mit Soul, Rock und Pop. Missy Higgins: junge Singer/Songwriterin mit erstklassigen Balladen, Superstar in ihrer Heimat Australien. Und - für viele Fans vielleicht das Highlight, weil bereits 4 Jahre abseits jeglicher Aktivität - Fiona Apple, als einzige übrigens mit gleich zwei Beiträgen! Die extravagante, spleenige Musikerin hat für ihr 1996er Debüt 'Tidal' einen Grammy bekommen, da war sie gerade 19. Zwei weitere Werke folgten in 99 und 05, jeweils nach massiven Auseinandersetzungen mit der Plattenfirma.

Die Torch Songs oder auch Sentimental Love Songs. Der Sampler 'The Best Is Yet To Come' beinhaltet 13 Cy Coleman-Songs, darunter solche Hits wie den Titelsong, 'I've Got Your Number', 'I Live My Love', 'I'm Gonna Laugh You Right Out Of My Life', 'You Fascinate Me So', Hey Look Me Over', 'Too Many Tomorrows' oder 'Then Was Then And Now Is Now' - unvergessene Evergreens allesamt und doch nur eine Auswahl aus einem Gesamtkatalog von ca. 2000 Stücken! Wobei die jeweiligen Co-Writer/Texter in ihrer Bedeutung nicht vergessen werden dürfen: Carolyn Leigh, Joseph A. McCarthy, Dorothy Fields und Peggy Lee. Was den besonderen Charakter dieser Zusammenstellung ausmacht, ist die einheitliche Atmosphäre, der homogene Sound der exzellenten Produktion von Vollprofi Dave Palmer. Der Pianist, Arrangeur und Produzent ist ein vielbeschäftigtes Allroundtalent mit Aktivitäten für die Film- und TV-Industrie, speziell für den Disney Konzern, mit unzähligen Credits für die verschiedensten Acts aus Mainstream- und Indie-Bereichen wie Fiona Apple, Rickie Lee Jones, Joe Henry, Aimee Mann, Michael Penn, Turin Brakes, Rufus Wainwright u.v.a. Er ist hier das musikalische Hirn hinter dem ganzen Projekt. Die Arrangements sind seine Idee, ursprünglich alleine am Piano entwickelt und dann in zwei Hollywood Studios mit exzellenten Sessionmusikern bis zur finalen Version vollendet: Mark Goldenberg, Tim Young, Doyle Bramhall, Wendy & Lisa, Reggie Hamilton, Benmont Tench, Chris Bruce, Jay Bellerose, Aaron Sterling, Jeff Driskill, John Yoakum und eben Palmer an den Tasten schaffen mit Gitarren, Keyboards, Standbass, Drums, Percussion etwas Sax/Flöte/Klarinette sowie dezenter Verwendung von Samples, Synthesizern und "Noises" eine zeitgemäße Melange aus Jazz, Blues, Roots und Country. Auf diesem Klangteppich können sich dann die wunderbaren Frauenstimmen genüsslich ausbreiten und den - vermeintlich etwas altmodischen - Begriff Torch Songs zu neuem Glanz verhelfen.

 

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