Wrinkle Neck Mules - Let The Lead Fly PDF Drucken E-Mail
Montag, 05. Oktober 2009

Blue Rose

Vom kauzigen Bandnamen bis zur urwüchsigen Musik - diese Fünf aus Richmond, Virginia werden ihre ausgeprägten Country-Wurzeln nie verleugnen! Wrinkle Neck Mules hat sich die Gruppe vor fast 10 Jahren benannt, das riecht förmlich nach Country. Gleißende Pedal Steel Gitarren, pluckernde Banjos, singende Electric Guitars, klirrende Mandolinen und eine Vorliebe für kräftigen, südstaatengefärbten Landrock mit süffigen Harmonien... - ja, auch das ist ganz klar Country. Genauer: die perfekte Synthese zwischen klassischem früh70er Country Rock und dem, was heutzutage gerne als Alt.Country, No Depression Music und Americana Rock angeboten wird. 'Let The Lead Fly' heißt das brandneue, von allen Fans sehnlichst erwartete Album dieser formidablen Band, die ohne Frage zu den allerstärksten dieses Genres gezählt werden muss!

'Let The Lead Fly' ist bereits ihr viertes Werk und daher lohnt ein Blick in die Historie. Erste Spuren der Mules lassen sich bis 2000 zurückverfolgen, als ein paar Freunde irgendwo zwischen Charlottesville und Richmond entlang der Interstate 61 begannen, Gitarren, Banjos, Mandolinen und Dobros mit Bass, Drums und Keyboards zu kombinieren und zarte Versuche des vom Bluegrass inspirierten, mehrstimmigen Harmoniegesangs zu entwickeln. Das, was sich anfangs noch sehr holperig und kantig anhörte, geriet 2003 schon sehr viel professioneller. Da veröffentlichten sie nämlich ihr Debütalbum 'Minor Enough' und rauschten fortan mit Volldampf in all die angesagten No Depression/Alt.Americana-Zirkel. In 2004/05 konsolidierten sie ihr Line-up, tourten regelmäßig die gesamte Ostküste rauf und runter, schufen sich einen stetig wachsenden Fankreis und bereiteten im Studio ihren nächsten großen Wurf vor. Mit Hilfe des renommierten Produzenten Chris Kress (Dave Matthews Band) gelang ihnen ein Jahr später das deutlich gereifte Studioalbum 'Pull The Brakes'. Es begeisterte alle Anhänger zeitlosen Country Rocks genauso wie die Independent-Fraktion, nicht zuletzt wegen eines Duetts mit Bonnie "Prince" Billy (aka Will Oldham) auf dem Track 'Lowlight'. 2007 folgte mit 'The Wicks Have Met' das dritte WNM-Album - gleichzeitig Debüt auf Blue Rose und internationaler Durchbruch mit Bestnoten der einschlägigen Kritiker und hohen Notierungen in den Americana Charts dieser Welt!

Personell ist die Gruppe in der gesamten Dekade ziemlich stabil geblieben. Chase Heard (Gitarren, Banjo), Andy Stepanian (Gitarren, Keyboards, Dulcimer) und Mason Brent (Gitarren, Mandoline, Banjo, Pedal Steel) sind die kreativen Köpfe, hauptverantwortlich fürs Team-Songwriting, die vielen instrumentellen Finessen und für die drei abwechselnden - und hörbar markant voneinander abweichenden! - Leadstimmen. Die später hinzugestoßene Rhythm Section, Bassist Brian Gregory und Schlagzeuger Stuart Gunter, komplettiert die bewährte Quintettformation und fügt sich dazu öfter in den ausgefeilten mehrstimmigen Backinggesang ein.

'Let The Lead Fly' macht genau da weiter, wo The Wicks Have Met vor zwei Jahren aufhörte: bei zeitlosem Country Rock und Cosmic Americana, oft Bluegrass-unterwandert, gespickt mit Zutaten aus Southern Rock, Westcoast Pop und ländlichem Mountain Rock. Der fröhliche Titeltrack zum Start gibt mit Doppel-Banjo, dynamischer Rhythmik, fetziger Fiddle, markigem Leadgesang und Sing-a-long Chorus die Stimmung vor: "don't just stand there, raise your guns and let the lead fly", jawohl, das erinnert an die guten alten Ozark Mountain Daredevils und lässt einen spontan auf die virtuelle Tanzfläche springen! Weiter geht's mit dem lässigen, angenehm Eagles-mäßigen ('Peaceful Easy Feeling') 'Fortune Fades' inklusive subtilem, dominantem Mandolinen-Picking und dem schleppenden Rock von 'Medicine Bow'. Bei 'Dopamine Dream' wird zum ersten Mal das Tempo etwas zurückgenommen, die WNM als Songwriter-Band! Gelungener Refrain, klasse Harmony Vocals, elektrische Twin Guitars im Southern Rock-Stil versus Pedal Steel. 'The Waters All Run Dry' klingt wie ein Field Recording aus der Great Depression-Ära: klagender Woody Guthrie-Gedächtsnisgesang mit Banjoklimpern und Mandoline, von rumpelndem Country Rock unterminiert und mit einem derangierten Electric Lead-Solo abgewürzt. Das Banjo-getriebene, mit ungewöhnlichen Electric Guitar-Fills verzierte 'One Hand In The Furnace' entwickelt sich mit seinem verschlafenen Killerrefrain zu einem echten Ohrwurm - da treffen Nitty Gritty Dirt Band auf Drive-By Truckers!

Die zweite Hälfte beginnt mit dem rein akustischen 'Pleasure Is The Absence Of Pain': Banjo, Mandoline, Gitarren, fünfstimmiger Gesang, und dann setzten am Ende noch Marching Drums ein. Das zweiminütige Intermezzo 'Silver King' ist ein waschechter Alt.Country-Instrumentalkracher der Marke Uncle Tupelo, Frog Holler, Blood Oranges, bevor wir mit dem spannungsgeladenen, temporeichen 'Cracks And Seams' vielleicht den Höhepunkt des an herausragenden Momenten wirklich nicht darbenden Albums erreichen: Beseelter Mountain-style Gesang, eine vehement eingesetzte Snare Drum und ein ungemein dominantes Banjo (oder sind es gleich zwei?!) treiben die Nummer voran - Bluegrass rocks! Das relaxte, hingetupfte 'Catfish And Color TVs' bietet danach willkommene Erholung, gemahnt stark an die Old 97's - auch mit dem speziellen Lead Guitar Break in der Mitte. Beim latent elektrisch rockenden 'Pull Me From The Wreckage' geht die Rhythm Section in die Vollen, die Pedal Steel zieht an und man mag sich vorstellen, wie solch eine substantielle Nummer bei einer WNM-Live Show abräumen wird! 'Howard Johnson' zeigt die Band in allerfeinster Storyteller-Manier: Die schlüpfrig-nostalgische High School-Geschichte wird akustisch angewärmt, bevor Elektrizität und Rock'n Roll Fahrt aufnehmen. Grandios! Noch grandioser das Finale: 'Before The Rise And Fall' könnte als Pate für eine zeitgerechte Definition von Country Rock stehen. Das klug aufgebaute Stück mit seiner genialen Acoustic/Electric-Balance, exzellenter Pedal Steel, kehlig-kernigem Gesang, dem gewissen "Alt.Twang" und einem verdammt guten Job von Basser und Drummer erfüllt wahrlich alle Träume der Anhänger dieses Genres. Versprochen! Garantiert!!

 

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