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Blue Rose 'Alberta Says Hello' - endlich auch nach Deutschland und Europa! Der Song, eine wundervolle Ballade von epischen Ausmaßen, stammt vom mittlerweile 6. Album des hoch aufgeschossenen Musikers aus dem Westen Kanadas, der dort seit langem weit über ein lokales Ereignis hinaus wahrgenommen wird, regelmäßig vor vielen Tausend Menschen spielt und im 5. Jahr hintereinander als bester Roots Artist ausgezeichnet wurde. Etliche Juno Awards (etwa der kanadische Grammy) und im Ausland bislang kaum nachvollziehbare gute Verkäufe schmücken seine Vita. 'Losin' Lately Gambler' ist nun das Debüt für New West/Blue Rose und soll seinen Namen als Botschafter der so genannten CanAmericana-Bewegung nicht nur in die USA sondern auch in unsere Gefilde hinüberwehen.
Corb Lund aus Edmonton, Alberta ist ein CanAmericana-Künstler wie er im Buche steht und legt mit seinem neuen Album ein weiteres Werk vor, dass sich musikalisch und thematisch mit der Geschichte seiner Region auseinandersetzt. Damit steht Lund voll in der Tradition eines Ian Tyson oder Gordon Lightfoot, trifft darüberhinaus mit seinem rootsigen Folk & Country Rock zwischen "alternative" und "neo-traditional" genau den Nerv der Zeit. Und der Kritiker, die ihn völlig zu Recht als Hoffnungsträger feiern, der eines Tages als Kanadier die USA erobern könnte - was in der Geschichte der populären Musik selten genug geschehen ist! Allerdings: So unerhört ortsgebunden viele Titel und die meisten Themen seiner Alben auch klingen, die Musik ist letztlich gar nicht so weit weg von Austin oder East Nashville, durchaus Kulturkreise, die er gerne besucht, um sich mit den dortigen Musikern auszutauschen oder - wie nun zum wiederholten Male - mit dem berühmten Drummer/Sänger/Produzenten Harry Stinson zusammenzuarbeiten.
Stinson, Mitglied der Dead Reckoning-Clique sowie der aktuellen Band von Marty Stuart (Fabulous Superlatives) und bekannt von unzähligen Sessionjobs für Steve Earle, Mary Chapin Carpenter, Rodney Crowell, Kelly Willis, Emmylou Harris, Nitty Gritty Dirt Band u.v.m., hat 'Losin' Lately Gambler' produziert und den 12 Tracks ein abwechslungsreiches, vielschichtiges Klangbild verpasst, genauso wie zuvor bei Corb Lund's Durchbruchsalben 'Five Dollar Bill' (2002), 'Hair In My Eyes Like A Highland Steer' (2005) und 'Horse Soldier! Horse Soldier!' (2007). Aber bereits in der Dekade zuvor präsentierte sich Lund mit seiner Punk Band schwer aktiv und sogar richtig erfolgreich: The Smalls waren über die Landesgrenzen Albertas hinaus ein dickes Thema. Ab etwa 1995 wendete er sich dann immer mehr der traditionellen Musik zu, entdeckte Songs seiner Vorfahren, entwickelte Vorlieben für Marty Robbins, Ian Tyson, Waylon Jennings und Steve Earle. Noch Ende der 90er markierten die privat veröffentlichten und mittlerweile vergriffenen Platten Modern Pain und Unforgiving Mistress den Beginn einer spannenden und vielversprechenden Solokarriere.
Lange schon spielt Corb Lund mit einer festen Touring Band, die seit einigen Jahren als The Hurtin' Albertans firmiert und auch konsequent von ihm im Studio verwendet wird, um möglichst authentisch zu bleiben: Kurt Ciesla traktiert den Standbass, Brady Valgardson sitzt hinter den Drums und der instrumentelle Star der Combo, Grant Siemens, brilliert an allem was Saiten hat: akustische und elektrische Gitarren, Banjo, Dobro, Lap Steel etc. Lund selber, ganz der veritable Frontmann, singt mit klarer, angenehmer Western-Stimme und begleitet sich mit akustischen und elektrischen Gitarren, etwas Mandoline und Harmonika. Stilistisch breit gefächert, sämtliche Americana-Pole auslotend, reicht das Programm auf 'Losin' Lately Gambler' vom knackigen Rodeo-Rockabilly ('Steer Rider's Blues') und dem 50/60er Boom-Chicka-Boom eines Johnny Cash ('Long Gone To Saskatchewan') über Waylon-style Outlaw Country ('Chinook Wind') und lässigen Western Swing ('It's Hard To Keep A White Shirt Clean') bis zum Folk Rap frei nach Todd Snider ('Talkin' Veterinarian's Blues'), zum hard driving, twangy Honk'n Roll ('The Only Long Rider I Know') und zum Cowboy-Mythos eines Ian Tyson, Ramblin' Jack Elliott oder Marty Robbins ('Devil's Best Dress' mit Border Town-Flair).
Angetrieben von Bottleneck, Banjo und Slap Bass beschäftigt sich Corb Lund bereits auf dem dynamischen, lebhaften Opener 'Horse Doctor, Come Quick' mit einem Lieblingsthema: das Leben auf der Ranch, speziell die Pferdezucht, alles im Einklang mit der Natur und die Geschichten seines Großvaters im Hinterkopf. Eine andere Vorliebe ist das "gambling" (des anderen Großvaters!), beschrieben im famosen, mit geschmackvoll perlenden Gitarrenlicks durchzogenen, locker uptempo dahertrabenden 'A Game In Town Like This'. Der wunderschöne, sehnsüchtig-wehmütige Folk von 'This Is My Prairie' bildet dagegen einen eher nachdenklichen Abschluss. Untermalt von Harmonium, Orgel, Gitarre und pluckerndem Banjo, verstärkt mit Marching Drums und Posaune, zeichnet Lund ein düsteres Bild der gegenwärtigen Situation im Hinterland der Farms & Ranches, die von den Ölbohrkonzernen verdrängt werden - nur, um dann fast trotzig zu befinden: "this is my prairie, this is my home". Kein Abgesang an die Veränderungen in der Region also, sondern mehr ein unbedingtes Bekenntnis zu seiner Heimat trotz aller Widrigkeiten! Wer solch ein komplexes Sachgebiet in nur 3:45 Minuten mit ein paar klaren Worten skizzieren kann, der darf sich getrost als exzellenter Singer/Songwriter mit ganz eigener poetischer Kraft bezeichnen - Corb Lund, so gar kein Plastik-Westerner, sondern "the real deal"!
Danach gibt es quasi als Bonus den krassen Gegenentwurf: Beim Livemitschnitt seiner Australien-Tour, 'Rye Whiskey'/'Time To Switch To Whiskey', begeistern Corb Lund & Band als extrovertierte, fürwahr whiskeyselige Einpeitscher in allerbester Cash-meets-Jennings-Manier ein frenetisch feierndes Publikum. Da möchte man dabeigewesen sein!

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