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Blue Rose Had Enough? Nein, natürlich nicht! Das wird wohl jeder Fan auf den "fishin' for compliments"-Albumtitel des beliebten Eastcoast-gone-Texas Rockers Tom Gillam antworten. Kennt man allerdings seine ein paar Jahre zurückliegenden, massiven gesundheitlichen Probleme, dann mag die Frage auch ein wenig an sich selbst gerichtet sein. Nach drei schweren Herzattacken im Frühjahr 2006 hing sein Leben am seidenen Faden. Ganz klar, dass man nach so einem Schicksalsschlag alles neu ordnet und die Sinnfrage stellt. Hat er getan, hat er beantwortet: mit seinem 2007er Comebackalbum und gleichzeitigem Blue Rose-Labeldebüt 'Never Look Back', ausführlichem Touring mit dem Ergebnis der prächtigen Live-CD 'Play Loud... Dig Deep' und einer völlig umgekrempelten Lebensweise, die fast einer Quadratur des Kreises nachkommt - extrem auf die Gesundheit achten und trotzdem rock'n rollen was das Zeug hält! Tom Gillams neuestes Studiowerk beweist eindrucksvoll, wie gut das funktionieren kann!!
Erst kürzlich ist Gillam aus seiner langjährigen Heimat Philadelphia nach Austin gezogen, hat einige Musiker seiner Band Tractor Pull wie z.B. Gitarrist/Produzent Joe Carroll mitgenommen und vor Ort lokale Sessionmusiker ergänzt. So hören wir jetzt Alan Durham (Dumptruck, Alejandro Escovedo, Michael Hall) an der Leadgitarre, Michael "Cornbread" Traylor (Escovedo, Beaver Nelson, Billy Joe Shaver, Walter Tragert) am Bass und Vicente Rodriguez (Sister Morales, Eric Hisaw) am Schlagzeug. Keine Frage, dass sich Gillam schnell eingelebt hat, der neue, erheblich wurzelnähere Texas Sound in seiner Musik ist wirklich unüberhörbar!
Tom Gillam erlangte bei uns zunächst auf Umwegen eine erste Randnotiz. Der beliebte Blue Rose-Künstler Joseph Parsons verpflichtete ihn als (Slide) Gitarristen für seine elektrische Begleitcombo, mit der er in den Jahren 2005 und 2006 gleich mehrfach auf Europa-Tournee ging, einen legendären Rockpalast-Gig bestritt und die formidablen Alben 'The Vagabond Tales' und 'The Fleury Sessions' einspielte. Dabei machte Gillam durch seine vitale Bühnenpräsenz, sein großes Talent als Gitarrist und nicht zuletzt durch seine sympathische Art gehörig auf sich aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt hatte der vermeintliche Sideman in den Staaten bereits drei eigene Alben veröffentlicht: das 1998er Debüt 'First Of All', 'Dallas' (2001) und 'Shake My Hand' (2004). Besagte Meilensteinplatte 'Never Look Back', eine Live-Tournee mit Tractor Pull und eine akustische Club-Visite mit Blue Rose-Act Todd Thibaud als Duo in 2008 taten ihr Übriges, um die Marke Tom Gillam hier noch stärker einzuführen.
'Real Thing' ist ein Kickstart wie er besser kaum gelingen könnte: unwiderstehlich vorwärts treibende akustische und elektrische Rhythmusgitarren, satter Druck von Bass und Drums, eine auf und ab jubilierende, zupackende Lead Guitar, ein permanentes Slide Solo und dann diese schnarrende, rohe, im positiven Sinn aggressive Stimme des Protagonisten - the real thing, fürwahr, kein anderer Titel wäre hier denkbar! Gleich danach ein Rückblick in die Vergangenheit, in der eben nicht immer alles so toll war, 'Ready To Begin' ist gleichzeitig eine Kampfansage an die Zukunft: "...tired of running in a race I can't win, tell the whole world that I'm ready to begin" heißt es im hymnenhaften Chorus, gespickt mit nicht enden wollenden Slidepassagen. Dann kommt 'Ride', ein garantierter künftiger Live-Hammer im Programm von Gillam und seiner Band Tractor Pull! Swampiger Roots Rock in Hochgeschwindigkeit, die Band kocht am Siedepunkt, als Stargast #1 bläst Guy Forsyth frenetisch in die Blues Harp und als Stargast #2 liefert Ed Jurdi von der Band Of Heathens ein Wurlitzer-Solo der Extraklasse ab. R.o.c.k.t.!!
Midtempo-Power dann: 'Weary Game' und 'Tear In The Rain' sind nur zwei Beispiele für gleich mehrere höchst melodische, handwerklich souverän gestrickte Songs mit Tiefgang, Nachdruck und Wiedererkennungs-Killerrefrain. Die fünf-minütige Endlosschleifenballade 'Million Miles Away' kommt im Stil eines verschollenen Gregg Allman-Klassikers - da möchte man glatt die überwunden geglaubte Feuerzeugschwenkkultur wieder einführen! Der Titeltrack ist ein mean & dirty Boogie Rocker in Faces/Black Crowes-Manier, '(When You) Come Around' ein Breitwandhit zum Mitsummen inkl. Eagles'schen Ooohs & Aaahs.
Ja, Tom Gillam hat alles, was einen klassischen 70s-style Rocker ausmacht: angefangen bei seinem Outfit mit langer Lockenpracht bis hin zum (damaligen Mainstream-) Gitarrensound Marke Joe Walsh meets Peter Frampton, ganz zu Schweigen von der Shouter-Attitüde eines Bob Seger, John Mellencamp oder (wieder) Joe Walsh. Es braucht auch nicht allzu viel Fantasie, um bei der oder anderen Nummer die späten Eagles, Poco und Tom Petty & The Heartbreakers zur 'Southern Accents'-Phase herauszuhören. Bevor wir aber Tom Gillam mit solchen Retro-Assoziationen zum reinen Old School-Rocker abstempeln, sei gesagt, dass er mit dieser Mischung aus Roots Rock, Classic Rock und Country Rock auch ganz prächtig in die Americana-Jetztzeit passt und gar nicht so weit weg ist von all den Steve Earles, John Hiatts, Chris Knights, Reckless Kellys, Leeroy Staggers dieser Welt.
Am Ende ist es zeitloser, handgemachter, nach Vinyl und Schweiß riechender All American Rock'n Roll wie er seit Urzeiten existiert und wie es ihn auch (hoffentlich!) auch in 50 Jahren noch geben wird. Es kommt halt auf den Frischegrad an und wie hoch das Feuer der Leidenschaft brennt - und da ist Tom Gillam mit 'Had Enough?' voll dabei!

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