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Blue Rose Das Blue Rose-Urgestein Rich Hopkins meldet sich zurück mit einer neuen Scheibe und zum ersten Mal nach über vier Jahren steht sogar der Name Luminarios wieder groß drauf! Seit 1992 gibt es die Luminarios entweder als Trio, Quartett, Quintett oder einfach als lockere Session befreundeter Musiker; immer handelt es sich dabei um ein klares Rich Hopkins-Ding, im Gegensatz zu all den anderen Projekten des berühmten Wüstenrock-Paten aus Tucson, Arizona, wie Sidewinders, Sand Rubies, Underbelly, Woodcocks etc., bei denen er sich die Führungsrolle teilt. Rich Hopkins und seine Luminarios stehen für bedingungslosen Gitarrenrock, wahren Tucson Rock'n Roll, Byrds-style Psychedelic Pop, höchste Elektrizität und urwüchsige Power. 'El Otro Lado/The Other Side' macht da selbstredend keine Ausnahme!
Das neue Luminarios-Werk befindet sich also einerseits klar auf Kurs des 2006er Vorgängers 'The Horse I Rode In On' und solch kapitaler Klassiker wie 'Dirt Town', 'El Paso' und 'The Glorious Sounds Of', profitiert andererseits aber auch von Hopkins' neuer Lebenssituation. Der Gute hat bekanntlich seine große Liebe Lisa Novak geheiratet, und die sorgt nicht nur für privates Glück und emotionales Wohlbefinden, sondern bringt sich als gestandene Musikerin kompetent und überraschend deutlich ein in den eigentlich von sehr maskulinen Attributen geprägten Hopkins'schen Wüstenkosmos. Das war bereits auf ihrem gemeinsamen "Flitterwochen"-CD 'Loveland' (Blue Rose, 2008) zu vermerken und das ist auch hier zu hören auf 'El Otro Lado', denn Novak hat ihren festen Platz in der Quartettformation neben den altbewährten Rhythmusleuten Ken Andree/Bass und Bruce Halper/Drums (s.a. Sidewinders, Sand Rubies) eingenommen. So erhält sie Co-Credits als Produzentin und bis auf zwei Nummern auch als Songschreiberin (und wir denken da nicht an Linda McCartney!), sie spielt Gitarre und Percussion, trägt mit ihrer dunklen, nasalen Altstimme kräftig zu den bis dato ausgefeiltesten Luminarios-Backing Vocals bei und übernimmt den ein oder anderen Leadpart in Feinabstimmung mit ihrem Gatten. Jede Wette auch, dass sich der bei diesen ganz speziellen, jingle-jangligen Twang-Klängen, die sich wie ein roter Faden durchs Album ziehen, von ihrer harmonieträchtigen Americana/Pop-Vergangenheit hat beeinflussen lassen.
'El Otro Side'/'The Other Side' handelt thematisch von der Kehrseite des American Dream und ist deswegen durchaus als ein sozialpolitisches Rich Hopkins-Statement zu bewerten. Nicht zum ersten Mal beschäftigt sich ja der "Godfather of Desert Rock" mit den Menschen aus der Southside von Tucson, die durch viele, wenn nicht alle Raster eines sinnerfüllten Lebens gefallen sind und nur noch für einen Rest Würde kämpfen. Arbeitslose, illegale Grenzgänger, entwurzelte Indianer, Homeless People, verschuldete Ex-Mittelschichtler, Mexikaner im Ghetto... Das ist die Klientel der Casa Maria Soup Kitchen, einer wichtigen sozialen Einrichtung mit kostenloser Verpflegung für Bedürftige, die mittlerweile einen dramatischen Zulauf erfahren hat. Dort erzählt Amalia Tovar ihre Geschichte, mitgeschnitten von Hopkins auf Recorder und eingebaut in eines von zwei monumentalen, zentralen Stücken: den 8 ½-minütigen Titeltrack 'El Otro Lado Suite' mit einer Einführung auf akustischer, "spanischer" Gitarre und einem typischen Rich Hopkins-Sprechgesang-Kracher daran anknüpfend, komplett mit drückenden Gitarrenbrettern, knackharter Rhythm Section, süffigen Chorrefrains und scharfen Trompetenschüben von Javier Gamez im Calexico-Ambiente. Dieser Trompeter veredelt mit seinem prägnanten Spiel übrigens auch noch den zweisprachigen, ambitionierten Kuba-Rocker 'Guajira' (mit Ausschnitten aus einer historischen Rede des umstrittenen Staatsführers Batista aus der revolutionären Pre-Castro-Ära) und 'Better Days', die einzige semiakustische Ballade des Albums mit zusätzlichen Arrangements von Cello und Klavier.
Die zweite zentrale Nummer heißt 'Breathe In/Out', ein 7-minütiger Slow Rocker mit mehreren übereinander geschichteten, dräuenden Electric Guitars, einem stoischen Crazy Horse-Beat, verklärten Vocals und einem Refrain frei nach 'Like A Hurricane' - Acid Rock in der Wüste von Arizona! Dagegen nehmen sich der melodische 60s-style Rock des Openers 'Love Is A Muse', das ebenfalls stark an Neil Young angelehnte 'World On Fire' oder der hyper-twangige Folk Rock von 'Good Intentions' und 'U R Not Alone' (beide im Duettgesang-Stil von 'Loveland'!) geradezu als musikalisches "Erholungsgebiet" aus.
Das Songwriting auf 'El Otro Lado' ist dermaßen qualitativ hoch und die Musik so vielseitig wie wahrscheinlich auf keiner Luminarios-Platte zuvor, dass auch die beiden übrigen Tracks unbedingt erwähnt gehören, stehen sie den anderen doch in keiner Weise nach, im Gegenteil! 'Lou Reed' ist praktisch die eine große Lisa Novak-Nummer, auf der sie gesanglich glänzen kann und man sich nichts sehnlicher als ein baldiges neues Soloalbum von ihr wünscht. Ganz "nebenbei" erleben wir hier außerdem die beiden allerbesten Rich Hopkins-Gitarrensoli der ganzen CD: knapp, kantig, auf den Punkt, Feedback-getränkt!
"Woke up this morning, it's time to get out of this town, see my luck's turned a little sour these days, I can turn it around..." Das abschließende 'Land Of Broken Dreams' komprimiert textlich und musikalisch die vorangegangenen gut 40 Minuten nochmal in einem kolossalen Finale. Von den singenden und kontrolliert lärmenden Gitarren über richtig starke Rich Hopkins-Vocals bis zum brodelnden Druck der Band passt alles wie von übermächtiger Hand gesteuert zusammen! Dies ist dann nichts weniger als die Quintessenz des Desert Rock in Reinkultur!!

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