Ben Lee - The Rebirth Of Venus PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 05. April 2009

Blue Rose

Der Australier Ben Lee ist ein Phänomen. So unterschiedlich seine Platten auch sein mögen, jede klingt gleich frisch und immer irgendwie mitten im Aufbruch wie ein Debütalbum. Das hatte er mit 16, es hieß 'Grandpaw Would' und erregte wegen einiger Promifaktoren reichlich Aufsehen in gehobenen Indie-Zirkeln. Heute ist Ben Lee 30, wirkt immer noch wie ein Youngster und veröffentlicht soeben seine 7. Studio-CD!

'The Rebirth Of Venus' ist ein Tribut an die Weiblichkeit - gewidmet Venus, Göttin der Liebe und Schönheit. "Die stärksten femininen Eigenschaften wie Mitleid, Sorge, Kreativität, Spontaneität, Intuition, Verspieltheit, Zärtlichkeit und Wärme sind Qualitäten, die wir alle - Männer und Frauen - kultivieren müssen". Soweit Ben Lee in seinem Kommentar zum neuen Werk. Ist er etwa schlussendlich doch erwachsen geworden? Oder eine Spur zu größenwahnsinnig? Oder lediglich mal wieder ein wenig verspinnert?!

Schon sehr früh betrat Ben Lee als 14-Jähriger die internationale Rockszene, wurde von Sonic Youth und den Beastie Boys gefördert. 1994 erschien die erste von etwa einer Handvoll Veröffentlichungen seiner Punk Rock/Pop-Truppe Noise Addict. Mit 16 dann, Anfang 95, startete er seine bis auf den heutigen Tag spannende, unvorhersehbare Solokarriere. 'Grandpaw Would' hieß das Kultalbum des Youngsters auf dem Beastie Boys-Label Grand Royal, voll von unglaublich gewitzten Popkleinoden, in Sydney und Chicago von Brad Wood aufgenommen. Die seinerzeit schwer angesagte Liz Phair sang Background auf 'Away With The Pixies', was den Hipness-Faktor Lee's natürlich enorm verschärfte! Es folgten in unregelmäßigen Abständen die Alben 'Something To Remember Me By' (97), 'Breathing Tornados' (98), 'Hey You, Yes You' (02) sowie Duette mit Kylie Minogue, gemeinsames Songschreiben mit Evan Dando, Sessions und eine Tournee plus EP mit Ben Folds & Ben Kweller als The Bens, die Titelrolle als Schauspieler in einer australischen Komödie und die Gründung eines eigenen Labels.

In 2005 gab es eine Art musikalische Runderneuerung: 'Awake Is The New Sleep' hieß sein Labeldebüt für New West/Blue Rose und es gehörte zu den absolut innovativen Songwriter-meets-Pop-Werken des Jahres - mit Jubelreviews, hohen Auszeichnungen und persönlichen Rekordverkäufen (z.B. Doppelplatin in Australien)! Und mit 'Catch My Disease', seiner bislang größten Hitsingle: Nummer 1 in Down Under, Top 10 gleich in mehreren europäischen Ländern, Top 20 in den USA! Das in 2007 nachfolgende Album 'Ripe' wurde zum ersten Mal in einem namhaften Recording Studio mit etlichen Big Name-Gästen eingespielt (Benmont Tench, Sara Watkins/Nickel Creek, Benji Madden/Good Charlotte, Mandy Moore). Es bestätigte Lee's Renommee bei Kritikern und Fans, zeigte höchste musikalische Qualität und erntete weitere Hits und stark anziehende Verkaufszahlen!

Selbstverständlich ist Ben Lee's ewiges Anliegen auch auf 'The Rebirth Of Venus' Programm: Großer Pop in Reinkultur! Gar nicht unclever war die Entscheidung, wiederum mit seinem langjährigen Produzenten und frühen Förderer Brad Wood zusammenzuarbeiten. Wood, der ja seine wichtigsten Erfolge mit Liz Phair, The Sea And Cake, Freakwater und Pete Yorn feierte, scheint genau der richtige Ben Lee-Fachmann zu sein, der aus seinen ohnehin schon ohrwurmigen Liedern auch noch das letzte I-Tüpfelchen herauszukitzeln vermag. Zum Beispiel auf dem Opener 'What's So Bad (About Feeling Good)?', das seine Gute-Laune-allover-Philosophie früh auf den Punkt bringt und nicht umsonst in den Staaten als - extrem radiofreundliche - Single vorab auf den Markt kam. Oder gleich der nächste Track, 'Surrender', der aus dem Stand die direkte Nachfolge zu 'Catch My Disease' antreten könnte! Andere Stücke wie 'I Love Pop Music', 'Yoko Ono', 'I'm A Woman Too', 'Boy With A Barbie' scheinen auf den ersten Blick selbsterklärend, beim näheren Hinhören erschließt sich einem allerdings der ganz spezielle Humor Lee's. Das gilt natürlich auch für die lässige Ballade 'Bad Poetry', vielleicht das schönste Liebeslied in seinem gesamten Repertoire, das skurrile, new-wavige und politisch motivierte 'Wake Up To America' oder die kolossole Pathosnummer 'Song For The Devine Mother Of The Universe' zum Abschluss, komplett mit Kinderchor und Handclapping - ideal geeignet zum hemmungslosen Singalong in die Ewigkeit.

 

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