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Blue Rose Was lange währt... Seit einigen Jahren ist Blue Rose schon an der Verpflichtung von Deadman dran, jener Kultband aus Austin, die sich mit häufigen Live Shows im Saxon Pub und anderswo eine große Reputation unter ihren zahlreichen Anhängern und den einschlägigen Fachleuten vom Austin Chronicle über das Paste Magazine bis Uncut erspielt hat. Nun hat es endlich geklappt, im Herbst 2011 präsentiert Deadman ein neues Studioalbum und es wird bei Blue Rose erscheinen! Um die in unseren Breiten nahezu unbekannten Texaner schon mal gebührend vorzustellen, hat sich das Label entschlossen, die bislang nur lokal und über die Band-Website erhältliche 'Live At The Saxon Pub'-CD im Vorfeld auch hier zu veröffentlichen - sozusagen als Appetitanreger. Es ist ein fulminantes, fast 70-minütiges Statement über das riesige Potenzial dieser tollen Formation geworden, die so leichtgängig Southern Rock, Texas Folk, Country Rock und 70er old school Rock'n Roll unter dem aktuellen Americana-Banner verknüpft!
Wenn Deadman selbst eingefleischten Fans mittlerweile als typischer Austin-Botschafter ähnlich wie z.B. die befreundete Band Of Heathens gilt, dann beweist das nur, wie fest man in der Szene bereits verankert ist. Dabei ist Deadman durchaus eine Band mit Vergangenheit oder genauer: ihr Frontmann Steven Collins. Der stammt nämlich eigentlich aus Dallas und hat dort eine erste Deadman-Inkarnation bereits vor 10 Jahren an den Start geschickt. Im Quartett mit seiner Frau Sherilyn an den Tasten veröffentlichte er zunächst 2002 regional das Debüt 'Paramour'. Obwohl der Produzentenstuhl mit Daniel Lanois-Schüler Mark Howard (Chris Whitley, Vic Chesnutt, Lucinda Williams, Tito & Tarantula) hochkarätig besetzt war, verschwand das Album schnell aus den Regalen. Der ebenfalls von Howard produzierte 2005er Nachfolger, 'Our Eternal Ghosts' auf dem renommierten Independent Label One Little Indian, stellte das Ehepaar Collins nicht nur auf dem Cover stark in den Vordergrund und markierte eine deutliche Tendenz zu Alt.Country und versponnenem Freigeist-Folk Rock à la Sarah Lee Guthrie & Johnny Irion. Erst ab 2008 machte Deadman erneut auf sich aufmerksam - in Form eines komplett runderneuerten Projekts, nachdem Steven Collins in die ewig blühende Musikmetropole Austin umgezogen war.
Steven Patrick Collins ist Leadsänger, Songschreiber und Rhythmusgitarrist des Sextetts, zu dem auch Akustikgitarrist Kevin McCollough, Drummer Kyle Schneider, Hammond B3-Organist Matthew Mollica und der exzellente Leadgitarrist Jacob Hildebrand gehören. Der Job am Bass ging in den vergangenen Monaten gleich durch mehrere Hände: neben Lonnie Trevino Jr. spielten ihn allein auf diesem Album noch Glenn McGregor, John Michael Schoepf und Chris Gebhard. Anders als noch in den frühen Dallas-Zeiten präsentiert sich Deadman heute als kompakte musikalische Einheit, in der ein Rädchen ins andere greift, und die in unzähligen Konzerten fest zusammengeschweißt wurde. Und 'Live At The Saxon Pub' legt davon ein beeindruckendes Zeugnis ab!
Gleich zum Start gibt Deadman mit 'Brother John' die Stimmung für die nächsten 68:30 Minuten vor: Die Orgel schwillt an, die Rhythm Section gerät in einen rollenden Groove und die drei Gitarren rocken herrlich abgestuft mit- und nebeneinander, Steven Collins intoniert hier seine klassischen Shouter Vocals nicht zufällig in der Manier eines Van Morrison und die anderen stimmen ein in diesen bis zu fünfköpfigen, fast gospel-artigen Harmoniechor, der sich im weiteren Verlauf zu einem echten Markenzeichen von Deadman entpuppen wird. Spätestens nach dem etwas schnelleren 'Don't Do This To Me' und der ersten längeren Nummer mit vielen Jam Rock-Anteilen, dem 7-minütigen 'If I Lay Down In The River', werden Assoziationen zu The Band, Little Feat, der Jerry Garcia Band und den Allman Brothers offenkundig. Ja, besonders die Ähnlichkeiten zu The Band in ihrer frühsiebziger Phase von 'Stage Fright' zu 'Cahoots' hören sich geradezu frappierend an. Deadman macht auch gar kein Hehl daraus, im Gegenteil: Mit Augenzwinkern wird hier sogar der Chorus vom The Band-Klassiker 'Life Is A Carnival' als "life is a carousel" eingebaut. Das hat Stil und bereitet einen gleich auf den nächsten Kracher vor - die nach Art der Band Of Heathens ('Shine The Light') höchst gospelig vorgetragene Ballade 'Love Will Guide You Home'.
Mit dem Rocker 'Oh Delilah', der auch gut jede Levon Helm-Scheibe adeln würde, und gleich zwei rootsigen Border/TexMex-Themen hintereinander geht es abwechslungsreich weiter. 'Adios Mi Corazon' und das über 6-minütige 'The Ballad Of The Gold Thief' streifen atmosphärisch und stilistisch Los Lobos, Calexico und Greyhound Soul. Letzteres mündet in ein berauschendes Finale mit abgefahrenen, spooky Licks des bestens aufgelegten Gitarristen Jacob Hildebrand, der aber im nächsten Stück sogar noch ein paar Schippen drauflegt. 'Ain't No Music' ist, dem Applaus des Publikums nach zu urteilen, Deadman's Trademark Song und Crowd Pleaser. In 9:21 schaukelt sich die Band durch südstaatlichen Roots Rock, Collins' Gesang steigert sich mit dem Bandchor in eine wahre Call & Response-Schlacht, Gitarren und Orgel jubilieren um die Wette und Hildebrand beweist, dass er seine Lektionen aus der großen Gitarrenschule von Dickey Betts bis Robbie Robertson nicht nur stumpf auswendig gelernt hat, sondern sie bis zum letzten Blutstropfen auslebt! Auch Matthew Mollica an der Orgel zeigt eindrucksvoll, wie unverzichtbar er für den Gesamtsound ist. 'Take Up Your Mat And Walk' verbindet nochmals The Band-meets-Band Of Heathens-Balladenpower mit heftigen Van Morrison- und Bob Dylan-Anleihen, 'Absalom! Absalom!' ist ein kurzer 3-Minuten-Rocker, bevor mit 'When The Music's Not Forgotten' das mit Abstand hymnenhafteste Stück im Bandkatalog folgt. Dieser zwingenden Melodie kann man sich einfach nicht entziehen und wenn dann noch die schwelgerische Leadgitarre einstimmt...
Das country-rockige, immer wieder von Acapella-Stops unterbrochene 'Mankind' beschließt eigentlich dieses so enorm stimmungsvolle, dichte Album, aber für die Blue Rose-Version gibt es noch einen unveröffentlichten Bonus Track obendrauf: 'Rough God Goes Riding' von Van Morrison's 97er Album 'The Healing Game'! Die einzige Covernummer ist dem Ausnahmesänger Steven Collins natürlich wie auf den Leib geschneidert; ja, wie der hier den Van The Man gibt, das ist schon fast unheimlich!

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