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Blue Rose Mit 'Transcontinental Voices' melden sich zwei Blue Rose-Urgesteine eindrucksvoll zurück. Die beiden Singer/Songwriter Joseph Parsons und Todd Thibaud gehören bereits seit Ende der 90er Jahre zum großen Familienclan des Labels, haben dort eine Unmenge von Soloalben, aber auch mehrere verschiedene Bandprojekte veröffentlicht. So oft sich ihre Wege bei Live-Terminen schon kreuzten, der eine beim anderen im Vorprogramm spielte und umgekehrt, so selten sind die beiden vereint auf einer CD zu hören. Gut, da fällt einem zunächst das legendäre Quartett Hardpan ein, mit dem sie in 2002/03 reichlich Aufsehen erregten, und dann Ende 2007 ihr selbstbetiteltes akustisches Duo-Debüt, das wegen einer anstehenden Deutschland-Tournee ziemlich ad hoc aufgenommen wurde und je zur Hälfte aus neuen und bekannten Stücken bestand. Nach fast vierjähriger Pause nimmt das Team Parsons Thibaud nun wieder Fahrt auf und präsentiert den Nachfolger 'Transcontinental Voices' - ein prächtiges Gemeinschaftswerk mit sehr viel Wohlklangatmosphäre!
Joseph Parsons wuchs in Pennsylvania auf, zog später nach Los Angeles, Boston, New York und Louisiana, machte Musik auf den Straßen von Barcelona und anderen europäischen Metropolen. Seit den frühen 90ern wurde Parsons in Philadelphia sesshaft, professionell startete er bei Blue Rose Anfang 98 mit dem von der Kritik begeistert aufgenommenen '5 A.M.' Ein Jahr später folgte das Album 'Joseph Parsons', 'Live In Europe' bot danach feinen Stoff seiner 99er Deutschland-Tournee mit Begleitband. Im Herbst 2001 begann er mit seinen Kollegen Chris Burroughs, Terry Lee Hale und Todd Thibaud das Unternehmen Hardpan. Eine Studio-CD und ein Live-Doppelalbum zählten zu den absoluten Label Highlights der letzen Dekade! Nach einem kurzen Abstecher bei 4 Way Street, einem weiteren All-Star-Quartett in klassischer CSNY-Manier, etablierte sich Joseph Parsons mit seinen Blue Rose-Alben 'The Vagabond Tales' (2005), 'The Fleury Sessions' (2006) und 'Heavens Above' (2008) endgültig in der ersten Songschreiberliga! Der große Blonde mit der markanten, ausdrucksstarken Stimme, der inzwischen in der Nähe von Hannover wohnt, begeistert mit seinen durchgängig guten Songs eine breite Schicht von Americana- und Folk Rock-Fans. Seine jüngste CD 'Hope For Centuries' (2011) erschien im Eigenverlag, aber bereits zuvor im Sommer 2010 feierte man bei Blue Rose eine weitere Supergroup von vier namhaften, jeder für sich herausragenden Singer/Songwriter-Persönlichkeiten, die sich unter dem Namen U.S. Rails zusammenfanden: Neben Parsons sind das Tom Gillam, Ben Arnold und Scott Bricklin, mit Matt Muir am Schlagzeug.
Todd Thibaud begann seine Karriere Anfang der 90er mit den Courage Brothers, einer Formation, die in 'Something Strong' (92) und 'Wood' (95) zwei erstklassige Alben vorlegte – beide wurden später auf Blue Rose wiederveröffentlicht. Bereits damals bestach Thibaud mit melodiereichen Folk Pop Songs und einem erlesenen Gitarrensound. Mit dem 97er Solodebüt 'Favorite Waste Of Time' setzte sich der Mann aus Boston ein erstes kleines Denkmal. Es folgten die klassischen Blue Rose-Studiowerke 'Little Mystery' (99), 'Squash' (2000), 'Northern Skies' (2004), 'Broken' (2008) und die bereits erwähnte Hardpan-Phase, alle davor, dazwischen und danach erschienenen Live-Veröffentlichungen - solo oder mit Band, als CD oder DVD - aufzuzählen, würde jeden Rahmen sprengen! Sein einfühlsamer, attraktiver Gesang, diese zwingenden Harmonien, süffige Gitarrenläufe Marke Westcoast, clever verteilte Acoustic/Electric Parts, dazu der Punch von Heartland & Prairie Rock haben ihn zu einem absoluten Meister vertrauter, fast traditioneller Singer/Songwritermusik mit Rock & Pop reifen lassen!
'Transcontinental Voices' ist also das lang ersehnte zweite Album von Parsons Thibaud. Anders als beim Vorgänger haben wir es nun mit einer richtig konzipierten, voll arrangierten Produktion inklusive Begleit-Rhythm Section zu tun, für die unsere beiden Helden brandneues Material bereitgestellt haben. Einzig die Joseph Parsons-Nummer 'Float' ist kürzlich auf dessen Album 'Hope For Centuries' in einer alternativen Version zu hören und Todd Thibaud-Kenner mögen sich vielleicht daran erinnern, dass sein 'All That I Can Do' bereits als Demo-Version auf der Bonus-CD zu 'Broken' enthalten war. Beginnend mit Thibaud's 'Hands Of Love', einem eingängigen Ohrwurm-Folk Rocker, erleben wir 10 Tracks, jeweils im steten Wechsel wie früher bei... sagen wir mal David Crosby & Graham Nash oder, um im zeitgemäßeren Americana-Bild zu bleiben, wie bei Mark Erelli & Jeffrey Foucault. 'The Natural Way' kommt mit der Parsons eigenen Melancholie, 'Broken Sparrow' schlurft leise akustisch vor sich hin, bevor 'Gaze' mit Byrds-ähnlicher Gitarre und einem feinen Acoustic Solo wieder Folk Rock-Kurs hält. Hervorragend im Fluss und mit unendlichen Melodien gespickt, nicht unähnlich einer frühen Simon & Garfunkel-Platte geht es zwischen Balladen und Folk Rock weiter: 'So Unkind', 'Drowning', 'I'm Right Here', 'Float', 'All That I Can Do' bis hin zum abschließenden 'Loaded Guns'.
Beide Protagonisten sind für sämtliche 6-String-Parts auf den akustischen und elektrischen Gitarren zuständig, Thibaud bläst manchmal die Mundharmonika, Parsons steuert etwas Percussion bei, aber es ist die Art, wie sie ihre Stimmen einsetzen, was nachhaltig in Erinnerung bleibt! Die unterschiedlichen Tonlagen sind leicht zu identifizieren, der jeweilige Leadgesang kommt beseelt und voller Leidenschaft, man trifft sich wie im von übergeordneter Hand geleiteten Blindflug in schwelgerischen Harmonien oder singt, um Sekundenbruchteile versetzt, gemeinsam im Refrain. Das wirkt ungemein attraktiv und auf sympathische Weise einschmeichelnd, das sind "transkontinentale Stimmen" von erlesener Qualität! Begleitet werden sie von zwei befreundeten Ostküsten-Profis: Matt Muir von U.S. Rails am Schlagzeug und Pete Donnelly von den Figgs (oft die Begleitgruppe für Graham Parker) am Bass und manchmal an der Orgel.

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