Deadman - Take Up Your Mat And Walk PDF Drucken E-Mail
Sonntag, 25. September 2011

Blue Rose

Deadman ist eine neue, unbedingt zu beachtende Größe in der Folk & Roots Rock-Abteilung von Austin, Texas. Das Sextett um den charismatischen Bandleader Steven Collins hat sich über viele Jahre eine enorme Fangemeinde aufgebaut, zu der auch schon seit längerem das Blue Rose Label gehört. Nach kontinuierlichem Baggern ist es in diesen Monaten endlich gelungen, Deadman unter Vertrag zu nehmen. Im Juli wurde vorab, quasi als Appetitanreger für das hiesige Publikum, bei dem der Name Deadman noch nicht geläufig war, die private Live-CD 'Live At The Saxon Pub' veröffentlicht. Mit großer, durchweg positiver Resonanz bis hin zur völligen Begeisterung. Mit diesem kompakten Team Sound à la The Band, in dem so leichtgängig Southern Rock, Texas Folk, Country Rock und 70er old school Rock'n Roll unter dem aktuellen Americana-Banner verknüpft wird, ließ sich wohl punkten! Nun ist wie versprochen das angekündigte neue Studioalbum fertig und kann auf die wartende Deadman-Gemeinde losgelassen werden: 'Take Up Your Mat And Walk'.

Deadman ist keineswegs eine neuere Errungenschaft, sondern durchaus eine Band mit Vergangenheit oder genauer: Ihr Frontmann Steven Collins befindet sich schon länger im Geschäft. Er stammt nämlich eigentlich aus Dallas und hat dort eine erste Deadman-Inkarnation bereits vor 12 Jahren an den Start geschickt. Im Quartett mit seiner Frau Sherilyn an den Tasten veröffentlichte er nach einer frühen EP zunächst 2002 regional das volle Debüt 'Paramour'. Obwohl der Produzentenstuhl mit Daniel Lanois-Schüler Mark Howard (Chris Whitley, Vic Chesnutt, Lucinda Williams, Tito & Tarantula) hochkarätig besetzt war, verschwand das Album schnell aus den Regalen. Der ebenfalls von Howard produzierte 2005er Nachfolger, 'Our Eternal Ghosts' auf dem renommierten Independent Label One Little Indian, stellte das Ehepaar Collins nicht nur auf dem Cover stark in den Vordergrund und markierte eine deutliche Tendenz zu Alt.Country und versponnenem Freigeist-Folk Rock à la Sarah Lee Guthrie & Johnny Irion. Aber auch diese CD war leider schnell vergessen. Erst ab 2008 machte Deadman wieder auf sich aufmerksam - in Form eines komplett runderneuerten Projekts, nachdem Steven Collins von seiner Frau verlassen wurde und in die ewig blühende Musikmetropole Austin umgezogen war, um einen kompletten Neuanfang zu wagen. Das sollte ihm im Sommer 2008 mit dem Album 'Severe Mercy' gelingen. Die Texte flossen nur so aus seiner Feder, schließlich gab es reichlich Beziehungs- und Trennungsstoff zu verarbeiten. Dem ganzen Album liegt eine traurige Note zugrunde und der schwebende, wabernd atmosphärische Sound im Produktionsstil eines Daniel Lanois tut sein übriges dazu. So war 'Severe Mercy' Vergangenheitsbewältigung und Aufbruch zugleich.

Steven Patrick Collins ist Leadsänger, Songschreiber und Rhythmusgitarrist des aktuellen Sextetts, zu dem auch Akustikgitarrist Kevin McCollough, Drummer Kyle Schneider, Bassist Lonnie Trevino Jr., Hammond B3-Organist Matthew Mollica und der exzellente Leadgitarrist Jacob Hildebrand gehören. Anders als noch in den frühen Dallas-Zeiten präsentiert sich Deadman heute als kompakte musikalische Einheit, in der ein Rädchen ins andere greift, und die in unzähligen Konzerten, besonders an den regelmäßigen Dienstag-Abenden im Saxon Pub, fest zusammengeschweißt wurde. Wie wir alle wissen, legt 'Live At The Saxon Pub' davon ein beeindruckendes Zeugnis ab! Aber 'Take Up Your Mat And Walk', das mittlerweile 5. Album in Steven Collins' Deadman-Diskografie, ist eine ganz andere Geschichte und stellt nun die Studioqualität der Band in den Vordergrund. Anders noch als zuletzt auf 'Severe Mercy' hat man auf eine künstlich übergestülpte Klanglandschaft völlig verzichtet und das Material bewusst auf ganz natürliche Weise im Stil der frühen 70er Jahre arrangiert und mit altem Analog-Equipment in Eigenregie und -produktion aufgenommen.

Von den 10 Stücken, allesamt Steven Collins-Kompositionen, kennen wir die Hälfte bereits vom Saxon Pub-Mitschnitt in den raueren, groovenden, mit schweren Gospel-Elementen versehenen Live-Versionen. Hier erfahren wir 'If I Lay Down In The River', 'Don't Do This', 'Oh Delilah', 'Ain't No Music' und den Titelsong dagegen in geradezu lässiger, entspannter Folk & Country Rock-Atmosphäre. Ja, besonders deutlich werden die Unterschiede bei 'Ain't No Music', das hier fast als ein vergessener Outtake von Bruce Springsteen's 'Nebraska' anmutet!

Von den neuen Songs kommen 'Till The Morning Comes' und 'I'm Not Who You Think I Am' als luftige Alt.Country Rock-Nummern: stilistisch fest in den 70ern verankert, aber mit dem gewissen Etwas der No Depression-Generation verbandelt. 'This Old World's Not Gonna Change' erinnert gar an 'Visions Of Johanna', steht auch sonst in klarer Dylan-Diktion, bis die schroffe elektrische Gitarre von Jason Hildebrand frühe Uncle Tupelo-Parallelen aufkommen lässt. 'Gilead' bemüht ein weiteres Mal den bei Deadman so häufig vermerkten Vergleich zu The Band und ist vielleicht der eingängigste Song auf dem ganzen Album. 'We All Need Love' glänzt mit einem feinen 4- oder 5-Part-Chor über breiter Hammond Orgel, während sich Steven Collins' Leadgesang mal wieder in Richtung Van Morrison erhebt und mit einer Bläsersection konkurriert.

Das letzte Stück von 'Take Up Your Mat And Walk', der gleichnamige Titelsong, ist mit über 5 Minuten deutlich am längsten und baut am Ende nochmal feinstes The Band-Feeling auf, die Gitarre hört sich wie bei Poco anno 1971 an und der endlos hymnischen Melodieschleife wird sich keiner ohne weiteres entziehen können. So schön kann pure Nostalgie also klingen!

 

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